Krautschau: Was wächst zwischen den Pflasterfugen Deiner Stadt?

Bundesweite Aktionswoche vom 18. bis 26. Mai 2024


Die oft übersehenen kleinen Pflanzen in Pflasterfugen und Mauerritzen sind die geheimen Stars der städtischen Flora. Und sie sind wichtig für das Ökosystem der Stadt. Die #Krautschau schafft mit der von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung initiierten bundesweiten Aktionswoche vom 18. bis 26. Mai mehr Bewusstsein für die kleinen Wildpflanzen im urbanen Raum und für die Bedeutung von Natur in den Städten. Jede*r ist eingeladen mitzumachen und den pflanzlichen „Ritzenrebellen“ mit bunter Kreide vor Ort Aufmerksamkeit zu verschaffen, die Beschriftung zu fotografieren und in den sozialen Medien zu teilen. Eine Übersicht  aller gemeldeten öffentlichen Rundgänge findet sich ab heute unter https://www.senckenberg.de/krautschau. Gemeinsam mit Senckenberg-Forscher*innen kann man in Frankfurt und Görlitz die urbane Vielfalt „zum Niederknien“ erkunden.

Überall dort, wo Flächen versiegelt sind, leben Pflanzen unter Extrembedingungen – und kaum jemandem fällt das auf. Die bereits zum vierten Mal bundesweit stattfindende #Krautschau-Aktionswoche  hat zum Ziel, mehr Menschen zum Hinschauen und zur Wahrnehmung der oft übersehenen kleinen Wildpflanzen in den Städten zu bewegen. Dabei wird das Grün auf Gehwegen, in Mauerritzen oder Pflasterfugen mit bunter Kreide beschriftet und fotografiert. Die Fotos werden anschließend in den sozialen Netzwerken geteilt – so erhalten die „pflanzlichen Kämpfernaturen“ vor Ort und im Netz die verdiente Aufmerksamkeit. Pflanzenerkennungsapps helfen auch Nichtbotaniker*innen bei der Bestimmung der Kleinstflora. Die mit der Aktion kooperierende App „Flora Incognita“ belohnt fleißige Artensammler*innen im Aktionszeitraum mit Abzeichen. Zudem werden die erfassten Daten wissenschaftlich ausgewertet. Der 2023 erschienene Naturführer „Das wächst in deiner Stadt“ von Senckenbergerin Julia Krohmer und Alexandra-Maria Klein ist für Freund*innen von Printmedien eine perfekte Hilfe zur Bestimmung der Pflanzen.

„Wer genau hinschaut, entdeckt sogar in unseren von Beton und Asphalt geprägten Innenstädten überall Pflanzen. Zwischen Pflastersteinen, in Rinnsteinfugen und Mauerritzen wächst winziges, zähes Grün – eine atemberaubende Vielzahl von Kräutern, Gräsern und Moosen“, betont Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. In Deutschland haben sich etwa 500 Arten an die extremen städtischen Bedingungen angepasst und stellen, indem sie Tritt- und Fahrbelastung, Hitze, Bodenverdichtung und Verschmutzung trotzen, wertvolle Mikro-Ökosysteme für zahlreiche andere Arten dar.

„Auch für uns Menschen hat dieses kleine Stadtgrün einen nicht zu unterschätzenden Nutzen: Ein dichter Bewuchs in den Fugen des Kopfsteinpflasters erhöht dessen Festigkeit; grüne Fugen lassen Regenwasser tief im Boden versickern, wirken kühlend und binden Staub. Zudem haben Wildpflanzen in der Stadt eine große Bedeutung für das städtische Ökosystem, indem sie anderen Organismen wie Wildbienen oder Käfern Schutz und Nahrung bieten. Außerdem sind sie, spätestens auf den zweiten Blick, auch richtig schön, nicht nur durch ihre Blüten, sondern auch durch die Formenvielfalt ihrer Blätter“, ergänzt Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Die #Krautschau-Aktion ist eine Grassroot-Bewegung von Botaniker*innen und Pflanzenfans und entstand als Reaktion auf das weit verbreitete Phänomen der „Plant Blindness“ (Pflanzenblindheit) – die Unfähigkeit, Pflanzen in der eigenen Umgebung detailliert wahrzunehmen. In den sozialen Medien, vor allem auf X (vormals Twitter) und Instagram, etablierte sich die Aktion unter den Hashtags #Krautschau und #MehrAlsUnkraut.

An der bundesweiten Aktion beteiligen sich neben Senckenberg und der Universität Freiburg zahlreiche Städte, Institutionen und Botaniker*innen mit öffentlichen #Krautschau-Spaziergängen. Aktuell werden 36 Spaziergänge in 10 Bundesländern und 28 Städten und Gemeinden angeboten. So ruft z.B. in Bayern der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) landesweit zur Teilnahme auf – weitere Akteur*innen sind herzlich eingeladen, sich zu engagieren und bundesweit Spaziergänge anzubieten; die Kontakte hierzu finden sich unter https://www.senckenberg.de/krautschau.

Veranstaltung: #Krautschau: Urbane Vielfalt zum Niederknien

Datum: Samstag, 18. Mai bis Sonntag, 26. Mai 2023

Ort: bundesweit; Übersicht aller Treffpunkte und Zeiten siehe https://www.senckenberg.de/krautschau

Wer sich noch mit einer Aktion beteiligen möchte kann sich bei Dr. Julia Krohmer melden, die gemeinsam mit Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg die Aktionswoche koordiniert.

Pressematerial

Einladung zur #Krautschau. Foto: Senckenberg

 

Der Stadt in die Ritzen geschaut. Foto: Senckenberg