Dodo

Dauerausstellung

Ein Dodo für das Senckenberg Museum

Die zoologische Präparatorin Hildegard Enting hat die Lebendrekonstruktion eines Dodos (Raphus cucullatus) erarbeitet.

Der Dodo, auch Dronte genannt, war ein flugunfähiger Taubenvogel, der im Indischen Ozean auf Mauritius lebte. 1598 berichteten Seefahrer erstmalig von dem Vogel, 100 Jahre später war er bereits ausgestorben. Heute steht er ikonisch für von Menschen ausgerottete Tierarten. Seefahrer steuerten auf der Ostindienroute die Insel an und nahmen die Vögel als Proviant mit auf lange Seefahrten. Hauptgründe für das Aussterben des Dodos waren neben der Bejagung eingeschleppte Ratten und ausgewilderte Haustiere, die die Gelege der bodenbrütenden Vögel zerstörten.

Bei den weltweit seltenen Museumsexemplaren des Dodos handelt es sich fast ausschließlich um Skelette. Nur ein Kopf mit mumifizierter Haut ohne Federn ist in Oxford erhalten. Ein mumifizierter Fuß gilt als verschollen. Abgesehen von diesen Relikten kann das Erscheinungsbild des Dodos nur anhand zeitgenössischer Zeichnungen und Gemälde rekonstruiert werden. Die Zoologische Präparatorin Hildegard Enting hat auf Basis dieser Quellen und unter Berücksichtigung aktueller Forschungserkenntnisse eine Lebendrekonstruktion des Dodos erstellt, die seit dem 23. Februar im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zu sehen ist.

Nur wenige Abbildungen und Berichte aus dem 17. Jahrhundert beschreiben das Aussehen und Verhalten des Dodos. Hildegard Enting hat sich mit ihnen intensiv auseinandergesetzt und sich mit dem aktuellen Forschungsstand befasst. Die zoologische Präpartorin hat für verschiedene Merkmale des Vogels unterschiedliche Quellen herangezogen. Das Schwanzgefieder und die Färbung beruhen auf einer Miniatur-Darstellung des indischen Künstlers Ustad Mansur aus dem 17. Jahrhundert. Im Gegensatz zu anderen Darstellungen sind die Schwanzfedern eher unauffällig und kleiner gestaltet. Die auffällig kräftigen Beine und der gebogene, spitz auslaufende Schnabel sind durch Zeichnungen und Beschreibungen in Schifflogbüchern der Gelderland (1601-1603) gut dokumentiert. Die Augen hat Enting in Anlehnung an schriftliche Berichte hell und mit einem leicht gelblichen Schein versehen.

Für die spätere Gesamterscheinung der Rekonstruktion ist das Federkleid sehr wichtig. Marco Fischer, Präparator im Naturkundemuseum Erfurt und Inhaber der Firma Bio-Design, hat für das Erfurter Naturkundemuseum selbst bereits eine Dodo-Rekonstruktion erarbeitet und 2015 eine Publikation hierzu herausgebracht („Rekonstruktion eines Dodo (Raphus cucullatus L., 1758) unter besonderer Berücksichtigung von Anatomie, Funktionalität und Lebensweise“ in Vernate 34/2015). Damit war er eine gute Wahl, um den Auftrag der Befiederung auszuführen. Seine Recherchen zu Federstrukturen auch im Hinblick auf den Lebensraum der Vögel brachten Marco Fischer auf das Gefieder der Ohrfasane. Die Federproben überzeugten so, dass das von ihm für den Erfurter Dodo bereits verwendete Ohrfasan-Gefieder nun auch dem Frankfurter Dodo gut stehen sollte. Ein regelmäßiger Abgleich mit Entings Vorstellungen führte zu dem von ihr gewünschten Ergebnis.

Hildegard Entings Rekonstruktion besticht durch die Lebendigkeit der Darstellung. Ihr Dodo ist nicht als starres Präparat dargestellt, sondern als lebendig anmutendes Tier, das in seiner Bewegung festgehalten ist. Ihr Wunsch war es, eine Begegnung zwischen Betrachter und Objekt herzustellen: „Wenn unsere Museumsbesucher*innen dem Dodo in die Augen blicken und das Gefühl haben, er schaut sie an – dann ist das gut“, so Enting.

Unterstützt wurde Hildegard Enting vom Senckenberg-Ornithologen Dr. Gerald Mayr, von Dr. Bernd Herkner, ehemaliger Leiter der Abteilung Museum bei Senckenberg, von Marco Fischer, Präparator am Naturkundemuseum Erfurt, sowie von den Sponsoren des Dodos Dr. Claudia Giani-Leber und Dr. Hendrik Leber.