Wildkatzen breiten sich wieder in unseren Wäldern aus und kommen dabei auch mit Hauskatzen in Kontakt. Die Analyse ihres Genoms kann kleinste Spuren an Hauskatzen-DNA zeigen und liefert wichtige Informationen für ihren Schutz.

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Genomforschung für den Artenschutz

Wissenschaftler*innen und Naturschützer*innen diskutieren gemeinsam auf internationaler Fachtagung in Frankfurt


Das Artensterben messen und aufhalten: Eine gewaltige Herausforderung, für die dringend neue Ansätze und Methoden gesucht werden. Hoffnung ruht auch auf der modernen Molekulargenetik. Mit ihr können Wissenschaftler*innen bislang schwer zu generierende Daten gewinnen und daraus Schutzmaßnahmen ableiten. Vom 26. bis 28. Februar 2020 werden beim „4th Annual Meeting in Conservation Genetics“ am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt 300 Teilnehmende aus 30 Ländern ihre eigenen Forschungsansätze vorstellen und neue Methoden diskutieren.

Der Clou der Konferenz: Nicht nur Fachleute sind eingeladen, sondern auch Akteur*innen aus dem angewandten Naturschutz. „Wir wollen unsere Molekularlabors und Hochleistungsrechner dazu nutzen, die drängenden Probleme unserer Zeit anzugehen – und dazu gehört allen voran das weltweite Artensterben“, sagt Dr. Stefan Prost, Genomforscher der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und am LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG). Das im Rahmen der Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz des Landes Hessen (LOEWE) geförderte Zentrum hat zum Ziel, die vollständigen Genome zahlreicher Tiere, Pflanzen und Pilze zu sequenzieren und für die gesellschaftliche Anwendung nutzbar zu machen. „Ein wichtiger Bereich ist dabei der Erhalt der Biodiversität“, so Konferenzorganisatorin Alina von Thaden, Wissenschaftlerin im Team Naturschutzgenetik am Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt. „Mit den neuen Verfahren können wir zum Beispiel aus einer Wasserprobe komplette Lebensgemeinschaften erfassen oder das Ausmaß genetischer Verarmung im Genom bedrohter Arten präzise messen.“

Die moderne Artenschutz-Genomik ist mittlerweile fest in Deutschland verankert: Über DNA-basierte Laborverfahren werden Bestandsgrößen von Wildkatze und Wolf erfasst oder mittels des sogenannten „Metabarcoding“ Insektenarten an Blühstreifen bestimmt. „Diese Verfahren waren vor zehn Jahren noch undenkbar“, betont von Thaden, „und sie führen zu einer engen Zusammenarbeit von Forschung und Naturschutz. Dafür müssen wir eine gemeinsame Sprache sprechen.“ Dazu soll die Konferenz in Frankfurt beitragen. So wird am Freitag parallel zum Hauptprogramm ein deutschsprachiger „Crashkurs Naturschutzgenetik für Anwender*innen“ die Grundlagen und Möglichkeiten der modernen Genomik aufzeigen. Mehr als 100 Teilnehmer*innen aus dem behördlichen und ehrenamtlichen Naturschutz haben sich für diesen Kurs angemeldet.

In den weiteren Kursen und Workshops der Konferenz stehen Schutzmaßnahmen für bedrohte Wildtiere, wissenschaftliches Methodenwissen und auch eine effektive Kommunikation mit behördlichen und politischen Entscheidungsträgern im Blickpunkt. Die Themen werden von international renommierten Wissenschaftler*innen, aber auch Nachwuchsforscher*innen vorgestellt.

Die Konferenzreihe „Annual Meetings in Conservation Genetics“ wurde 2015 mit dem Ziel ins Leben gerufen, eine Plattform zu schaffen, die dazu beiträgt, die Lücke zwischen der modernen Gen-/Genomforschung und dem angewandten Natur- und Artenschutz zu überbrücken.
Nach den bisherigen Konferenzen in Zürich 2015, Göttingen 2016 und Wien 2017 findet die Tagung in diesem Jahr in Frankfurt bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung statt. Sie wird vom LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik ausgerichtet. An der Förderung ist ebenfalls die Erika und Walter Datz-Stiftung beteiligt.

Alle Informationen zur Konferenz: https://consgen20.de/

Press material

pm naturschutzgenetik 25.02.2020

Fragen zur genetischen Erfassung sind derzeit besonders bei der Beobachtung von Wölfen aktuell. Hier ein Wolfsrudel auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow an der Grenze von Sachsen-Anhalt zu Brandenburg

Wildkatzen breiten sich wieder in unseren Wäldern aus und kommen dabei auch mit Hauskatzen in Kontakt. Die Analyse ihres Genoms kann kleinste Spuren an Hauskatzen-DNA zeigen und liefert wichtige Informationen für ihren Schutz.