Biokompass2

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Zukunftsszenarien Bioökonomie 2040

Das Forschungsprojekt BioKompass unterstützt den gesellschaftlichen Wandel hin zu einer Bioökonomie mithilfe von Zukunftsdialogen  und Zukunftsszenarien  für das Jahr 2040. In den beiden Zukunftsdialogen , die 2018 im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt stattfanden, wurden gemeinsam mit Bürger*innen sowie Expert*innen die Themenschwerpunkte für die weitere Auseinandersetzung mit Bioökonomie entwickelt und die entwickelten Szenarien weiter ausgearbeitet. Die entstandenen Szenarien für die unterschiedlichen Zukünfte der Bioökonomie wurden gemeinsam mit Bürger*innen sowie Stakeholdern aus Wirtschaft und Wissenschaft in einem kreativen Storytelling-Prozess erlebbar gemacht. Damit ist bei den Beteiligten das Verständnis einer zukünftigen, biobasierten Wirtschaftsweise gefördert worden. Die Zukunftsszenarien werden im weiteren Verlauf des Vorhabens genutzt, um die Wahrnehmung des Themas in einer breiten Öffentlichkeit zu fördern und mit Alltagssituationen zu verbinden.

Die Zukunftsszenarien  sind mithilfe der Szenariomethodik im Rahmen von Workshops mit Vertreter*innen unterschiedlicher Interessensgruppen (Stakeholder) entwickelt worden. Fragen nach Zusammenhängen und Abhängigkeiten im Bereich der biobasierten Wirtschaft wurden diskutiert.

Die BioKompass Zukunftsszenarien bilden die Basis für die weitere Auseinandersetzung des Wandels hin zu einer Bioökonomie – sei es in den Seminarprojekten  mit Jugendlichen oder mit der interessierten Öffentlichkeit im Ausstellungsbereich des Naturmuseums.

Zukunftsdialoge

Zu Beginn wurden im Rahmen einer Akteursanalyse Vertreter*innen von Stakeholdern aus Forschung und Industrie, NGOs sowie Bürger*innen identifiziert. Sie wurden zum ersten Zukunftsdialog im Senckenberg Naturmuseum eingeladen. Ziel des Workshops war die Entwicklung relevanter Fragestellungen in Bezug auf die Transformation zu einer Bioökonomie und der Schwerpunktthemen für den folgenden Szenarioprozess.

Im Anschluss an den Szenarioprozess  fand der zweite Zukunftsdialog statt, in dem die erstellten Zukunftsbilder der breiten Öffentlichkeit vorgestellt worden sind. Mehr als 50 Teilnehmende haben an Thementischen passende Alltagsgeschichten für die vier Szenarien entwickelt und die unterschiedlichen Zukunftswelten so erlebbar gemacht.

Dokumentation erster Zukunftsdialog: Themenschwerpunkte

Dokumentation zweiter Zukunftsdialog:  Zukunftsbilder zur Bioökonomie – Langfassung

Zukunftsbilder zur Bioökonomie – Kurzfassung

Szenarioprozess

In einem Szenarioprozess sind gemeinsam mit Expert*innen zu den zuvor partizipativ, d. h. unter breiter Beteiligung ausgewählten Themenbereichen Zukunftsszenarien entwickelt worden. In einem ersten Workshop wurden zunächst Zukunftsannahmen zur Bioökonomie entwickelt, die anschließend einer Wechselwirkungsanalyse unterzogen wurden. Das ist wichtig, um die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Annahmen, ihre gegenseitige Beeinflussung oder Abhängigkeit abschätzen zu können. Die so entstandenen Rohszenarien wurden anschließend in einem zweiten Workshop auf ihre Plausibilität geprüft. Auch hier wurden Stakeholder aus Wirtschaft und Wissenschaft einbezogen, die mit ihrer interdisziplinären Perspektive die Zusammenhänge der Trends und alternativen Entwicklungen in Technologie, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft diskutierten und bewerteten.

Szenario 1: Hoch hinaus mit Hightech-Bioökonomie

Bis zum Jahr 2040 hat sich die deutsche Wirtschaft grundlegend in Richtung einer High-Tech-Bioökonomie verändert. Industrie, Politik und Gesellschaft haben diesen Wandel gemeinsam eingeleitet. Die Chemische Industrie nutzt Biomasse als Rohstoff – aus europäischen Anbaugebieten und aus aller Welt importiert. Im Inland sind die Land- und Forstwirtschaft intensiviert worden. Um die negativen Umweltwirkungen der intensiven Landwirtschaft zu begrenzen, setzt man auf moderne, hoch automatisierte und digitalisierte Produktionsprozesse, in denen Dünger und Pestizide bedarfsgerecht aufgebracht werden. Biotechnologische Produktionsprozesse sind hoch automatisiert: Genoptimierte Pflanzen und Reststoffe werden in geschlossenen Prozessen in automatisierten Bio-Fabrikhallen verarbeitet. Deutschland ist ein Leitmarkt für Produkte, die auf der Basis von Biomasse hergestellt werden oder Recycling-Rohstoffe nutzen. Die Marke „Made in Germany“ steht für innovative „Non-fossil Products“, die weltweit exportiert werden.

Zukunftsbilder zur Bioökonomie – Kurzfassung

Zukunftsbilder zur Bioökonomie – ausführliche Version

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Szenario 2: Bioökonomie durch ökologisch bewussten Lebensstil

Die Mehrheit der Menschen möchte ökologisch bewusster leben und ist dafür zu Einschränkungen bereit. Dies spiegelt sich auch in der Gesetzgebung wider: Fleisch ist aufgrund der ressourcenintensiven Produktion mit einer Steuer belastet. „Coffee-to-go“-Becher gibt es nicht mehr. Für Wohnflächen über 20m² je Haushaltsmitglied müssen zusätzliche Abgaben geleistet werden. Kunststoffe sind nur noch für bestimmte Lebensmittelverpackungen zugelassen. Deutschland ist kein Export-Weltmeister mehr und erlebt Einbußen in einigen Wirtschaftsbereichen, was von der erfolgreichen Bioökonomie-Industrie nicht vollkommen kompensiert werden konnte. Deutschland produziert vielfältige Bioökonomie-Produkte. Biogene Rohstoffe aus dem Inland werden vorwiegend für den inländischen Markt verarbeitet. Die Forst- und Landwirtschaft in Deutschland und Europa ist nicht nur deutlich effizienter, sondern auch diversifizierter und nachhaltiger geworden. Das basiert auf einer intelligenten Kombination von Ansätzen aus der Permakultur und innovativer Automatisierung (Smart Farming).

Zukunftsbilder zur Bioökonomie – Kurzfassung

Zukunftsbilder zur Bioökonomie – ausführliche Version

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Szenario 3: Die europäische Bioökonomie-Blase

Im Konsumgüterbereich gab es große Umwälzungen: 2040 werden selbst restaurierte Flohmarkt-Möbel und die Esszimmerecke aus den 1970er Jahren mit neuen Tencel-Bezügen aus Restholz zum Statussymbol und würdigen den Besitzer als exzellenten Handwerker, Flohmarktjäger und Designer. Der Anbau von Rohstoffen, ihre Weiterverarbeitung zu Basischemikalien sowie die Herstellung von Produkten wurde ins Ausland verlagert – einzig die Forschung und Entwicklung erfolgt noch in Deutschland. Die Produktionsbedingungen im Ausland hinsichtlich sozialer, ethischer und ökologischer Standards sind nicht transparent. Die starke Abhängigkeit von ausländischer Produktion beunruhigt die Menschen zunehmend. Dieser virtuelle „Flächenimport“ erlaubt es hierzulande, die vorhandenen Flächen für den Erhalt der Biodiversität zu nutzen. Regionale und nationale Umweltschutzmaßnahmen sind den Menschen sehr wichtig. Der Ökolandbau wurde nicht nur ausgeweitet, sondern durch technische Innovationen wie Smart Farming auch ertragsstärker.

Zukunftsbilder zur Bioökonomie – Kurzfassung

Zukunftsbilder zur Bioökonomie – ausführliche Version

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Szenario 4: Nachhaltige Bioökonomie - Made in Germany

Klimaschutz genießt 2040 hohe Priorität und soll mit Wirtschaftswachstum in Einklang stehen. Dies ist die Grundlage vieler politischer Entscheidungen. Durch das Bewusstsein, dass das eigene Verhalten maßgebend für Veränderungsprozesse ist, findet in der breiten Bevölkerung ein Umdenken statt. Die landwirtschaftliche Erzeugung kommt durch intelligente, automatisierte Produktionsmethoden (Smart Farming) mit geringeren Flächen aus. Dadurch frei gewordene Areale ermöglichen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität. Materialien auf Basis biologischer Rohstoffe sind weit verbreitet, insbesondere Bioplastik für Verpackungen und Konsumprodukte. Die nachhaltige Erzeugung der einzelnen Ausgangsmaterialien erfolgt im Sinne internationaler Arbeitsteilung mit Partnerländern dort, wo es wirtschaftlich und ökologisch am sinnvollsten ist. Biobasierte Basischemikalien werden von Deutschland importiert und in einer breit aufgestellten Industrie zu hochwertigen und nachhaltigen „Made-in-Germany“-Produkten weiterverarbeitet.

Zukunftsbilder zur Bioökonomie – Kurzfassung

Zukunftsbilder zur Bioökonomie – ausführliche Version

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