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Kontrast

Press Release 08-05-26

„Naturnahe Wohnquartiere als Lebensräume für Mensch und Natur“ und „Vielfalt zum Niederknien“

Vorträge der Reihe „Stadtnatur kann’s! Gemeinsam lebenswerte und zukunftsfähige Städte gestalten“ am 13. und 20. Mai im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Beim Begriff „Stadtnatur“ denken die meisten Menschen zunächst an Parks, Stadtbäume oder die großen Picknick- und Spielwiesen, etwa entlang von Flussufern. Dabei gibt es zahlreiche weitere Formen städtischen Grüns, deren Beitrag zur Biodiversität, Klimaanpassung und Wohlbefinden bislang deutlich unterschätzt wird. Die nächsten beiden Vorträge der Senckenberg-Reihe „Stadtnatur kann’s! Gemeinsam lebenswerte und zukunftsfähige Städte gestalten“ richten den Blick auf zwei oft übersehene Formen der Stadtnatur: die Vegetation in Pflasterritzen und das „Abstandsgrün“ großer Wohnanlagen. Beide bergen ein erhebliches Potenzial für eine nachhaltige und lebenswerte Stadtentwicklung.
 
Vortrag: „Schöner Wohnen: Naturnahe Wohnquartiere als Lebensräume für Mensch und Natur“
Referentin: Dr. Corinna Hölzer (Stiftung Mensch und Natur, Berlin)
Datum: Mittwoch, 13. April, 19:30 Uhr

In großen Städten leben viele Menschen in mehrgeschossigen Wohnanlagen. Deren sogenanntes Abstandsgrün erhält bislang jedoch wenig Aufmerksamkeit – dabei bietet es ein großes Potenzial für Biodiversität, Klimaanpassung und Lebensqualität. Der Vortrag zeigt, wie Grünflächen in Wohnsiedlungen, die heute häufig noch aus kurz gehaltenem Rasen sowie einigen Hecken und Koniferen bestehen, naturnah, artenreich und zugleich nutzerfreundlich gestaltet werden können. Vorgestellt werden praxisnahe Konzepte für Blühflächen, Hecken, Teiche, Fassadenbegrünung und gemeinschaftlich genutzte Grünräume. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbindung von ökologischer Qualität mit sozialer Funktion: Wie können Grünflächen Begegnungsorte sein und gleichzeitig Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten? Welche Rolle spielt dabei eine gelungene Kommunikation? Anhand von Projekten aus Kommunen und von Wohnungsbaugesellschaften wird deutlich, welche Faktoren für eine erfolgreiche Umsetzung entscheidend sind – von der Überzeugung aller Beteiligten über Planung und Pflege bis hin zur Nutzung durch die Bewohner*innen. Der Vortrag verdeutlicht, dass naturnahe Gestaltung kein Luxus ist, sondern ein zentrales Element nachhaltiger, klimaresilienter Stadtentwicklung.
 
Die Biologin Dr. Corinna Hölzer ist Mitgründerin der Stiftung für Mensch und Umwelt, die sich seit 2010 für artenreiche und naturnahe Lebensräume einsetzt. Mit  Information, Inspiration und praxisnahen Projekten motiviert die Stiftung Menschen und Institutionen dazu, selbst aktiv zu werden.
 
Vortrag: „Vielfalt zum Niederknien – Pflanzliche Helden zwischen Stein und Asphalt“
Referent: Prof. Dr. Dietmar Brandes (TU Braunschweig)
Datum: Mittwoch, 20. Mai, 19:30 Uhr

Pflasterritzen, Mauerkronen und Wegränder wirken auf den ersten Blick nicht besonders lebensfreundlich – doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine erstaunliche Vielfalt spezialisierter Pflanzenarten. Der Vortrag widmet sich dieser oft übersehenen Form der Stadtnatur und zeigt, wie an extreme Bedingungen angepasste Pflanzen – von Vielen schlicht als „Unkraut“ bezeichnet – selbst kleinste Nischen besiedeln und dabei Großes für uns leisten. Anhand floristisch-ökologischer Untersuchungen wird deutlich, welche Rolle diese Mikrohabitate für die urbane Biodiversität spielen, wie sie zur Vernetzung städtischer Lebensräume beitragen und die Anpassung an den Klimawandel unterstützen. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach unserem Umgang mit Ordnung, Sauberkeit und „unerwünschtem Bewuchs“. Der Vortrag lädt dazu ein, den Blick zu schärfen und Stadtnatur im Kleinen wahrzunehmen. Pflasterritzenvegetation wird hier nicht als Mangel, sondern als Ausdruck urbaner Vielfalt und Anpassungsfähigkeit verstanden – und als Ausgangspunkt für eine neue Wertschätzung alltäglicher Natur.

Der Botaniker Prof. Dr. Dietmar Brandes erforscht bereits seit Jahrzehnten die Diversität und Dynamik verschiedenster natürlicher Habitate sowie die Ausbreitung gebietsfremder Arten. Als einer der Pioniere der urbanen Ökologie beschäftigt er sich seit den 1980er Jahren mit den Pflanzenwelten in Städten.

Ort: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, Arthur von Weinberg-Haus, Grüner Hörsaal, Robert-Mayer-Str. 2, 60325 Frankfurt, sowie online.

Die Vortragsreihe „Stadtnatur kann’s!“ lädt dazu ein, urbane Natur neu zu denken und zeigt, wie vielfältig, überraschend und innovativ sie heute gestaltet wird. Vom winzigen Grün in Asphaltrissen zwischen Hochhäusern über Tiny Forests, essbare Städte und insektenfreundliche Grünflächen bis hin zu Schwammstadt-Konzepten und Bauen mit Bäumen – Expert*innen aus Forschung und Praxis geben Einblicke in Strategien, neue Herangehensweisen und mutige Zukunftsbilder. Themen wie Gebäudegrün, soziale Gerechtigkeit, Gesundheit, Wildtiere in der Stadt und biodiversitätsfördernde Gestaltung erweitern den Blick auf urbane Lebensräume. Die Reihe zeigt: Stadtnatur ist mehr als nur Grün – sie ist Klimaanpassung, Oase für eine Vielfalt an Lebewesen, Gestaltungsspielraum, gesellschaftlicher Lernort und ein entscheidender Faktor für unsere Lebensqualität, jetzt und in Zukunft.

Die Reihe findet in Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences statt, im Rahmen des gemeinsamen World Design Capital-Projektes „HumanNature“.
Ein weiterer Kooperationspartner der Reihe ist das Umweltforum Rhein-Main, Medienpartner der Vortragsreihe sind hrINFO und die Frankfurter Rundschau.
 
Alle Informationen zu den Vorträgen, Referent*innen und Themen sowie zur Online-Teilnahmemöglichkeit via Zoom finden sich hier: www.senckenberg.de/reihe-stadtnatur  

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