Vom 10. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 präsentiert der Frankfurter Kunstverein in Kooperation mit dem Senckenberg Naturmuseum Frankfurt die Ausstellung „Trees of Life – Erzählungen für einen beschädigten Planeten“ – ein interdisziplinäres Ausstellungsprojekt, das den Blick von einem historisch gewachsenen, anthropozentrischen Weltbild hin zu einem systemischen Verständnis des Menschen als Teil des evolutionären Prozesses führt.
Sonderausstellung
Trees of Life
10. 10. 2019 — 10. 10. 2020
Für die Ausstellung produzieren zeitgenössische KünstlerInnen Werke und Rauminstallationen und stellen diese in einen inhaltlichen Dialog mit wissenschaftlichen Exponaten aus den Sammlungen des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums. Das Ausstellungsprojekt wird von Podiumsdiskussionen begleitet, an denen SchriftstellerInnen, NaturwissenschaftlerInnen, PhilosophInnen sowie Ökonomen und Ökonominnen miteinander das thematische Spektrum diskutieren, erläutern und ausloten.
Die Ausstellung wird die gesamte Fläche des Frankfurter Kunstvereins bespielen. Eingeladen wurden die KünstlerInnen Sonja Bäumel (Österreich, lebt und arbeitet in Amsterdam), Edgar Honetschläger (Österreich, lebt und arbeitet in Wien, Rom und Tokyo), Dominique Koch (Schweiz, lebt und arbeitet in Basel und Paris) und das Künstlerkollektiv Studio Drift (Niederlande, leben und arbeiten in Amsterdam). Jedem/r TeilnehmerIn ist ein eigener Raum gewidmet.
Kuratiert wird die Ausstellung von Franziska Nori (Leiterin des Frankfurter Kunstvereins) in Zusammenarbeit mit Philipe Havlik (wissenschaftlicher Berater aus dem Stab Zentrale Museumsentwicklung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung). Die Ausstellung entstand nach mehrjähriger Vorbereitung, Planung und zahlreichen Gesprächen zwischen Volker Mosbrugger (Generaldirektor Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Direktor des Naturmuseums Senckenberg) und Franziska Nori. Während dieser Zeit stand immer wieder die folgende Frage im Raum: Wie kann man faktisches Wissen aus der Dimension numerischer Abstraktion in eine empfundene Wirklichkeit übersetzen? Die Annahme, dass Kunst und Wissenschaft gemeinsam die Fähigkeit besitzen, erweiterte Formen des Wissens in anderer Weise als zuvor bekannt erlebbar zu machen, hat die Ausstellungsidee hervorgebracht.

Ein Blick in die Ausstellung
Grußwort von Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger
Das Kooperationsprojekt zwischen Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Frankfurter Kunstverein – neue Wege zwischen Wissenschaft und Kunst
Noch nie hat sich die erfahrbare Welt so schnell verändert wie heute. Die „Great Acceleration“, die exponentielle Inanspruchnahme unserer Ressourcen, ist Realität und kennzeichnet das Anthropozän mit all seinen positiven und negativen Erscheinungen: noch nie ging es so vielen Menschen so gut, und noch nie ging es unserer Umwelt und Natur weltweit so schlecht! Natur ist zu einer limitierenden Ressource geworden, so dass schon heute die Zahl der Umweltflüchtlinge die Zahl der Kriegsflüchtlinge übersteigt.
Die Menschheit muss also ihr Verhältnis zur und ihren Umgang mit der Natur neu justieren und zu einer zukunftsfähigen Nutzung natürlicher Ressourcen finden. Dies ist keine triviale Aufgabe, setzt sie doch ein umfassendes Verständnis der vernetzten Prozesse im System Erde-Mensch voraus. Liegt der Schlüssel zur Rettung der Welt also in der Wissenschaft? Muss uns die Wissenschaft lehren, wie wichtig die Natur für uns ist und wie wir mit ihr umzugehen haben – und die Politik hat dies umzusetzen?
Leider ist die Situation komplizierter. Zum einen liefert die Wissenschaft keine Wahrheiten, sondern nur Hypothesen und beinhaltet so immer die Zumutung der Unsicherheit, die in der Gesellschaft auf eine wachsende „Ambiguitätsintoleranz“ (Thomas Bauer) stößt und entsprechend eine zunehmende Vorliebe für einfache Wahrheiten, „fake news“ und Populismus nach sich zieht. Auch gibt es – wenn man der evolutionären Erkenntnistheorie folgt – evolutionär bedingte Erkenntnisgrenzen für den Menschen: unser Gehirn ist als Produkt von Mutation und Selektion entstanden und kann so immer nur eine „Menschen-Erkenntnis“ generieren, ähnlich wie ein Amsel-Gehirn eben nur eine „Amsel-Erkenntnis“ hervorbringen kann.
